Teil II: Jan Raatschen über Heizungsmodernisierungen & Chancen der regenerativen Unterstützung

Interview mit Jan Raatschen

Im ersten Teil der Interviewserie mit dem Heizungsexperten und Geschäftsführer Jan Raatschen, das Sie hier nachlesen können, wurde das hohe Potential für Einsparungen bei den Heizkosten durch eine Modernisierung der Heizung thematisiert. Im zweiten Teil des Interviews gehen wir nun der Frage nach, ob „nachhaltig“ auch wirklich immer sinnvoll ist und wann eine Solaranlage und eine Pelletheizung rentabel sein kann.

Heutzutage setzen immer mehr Hauseigentümer auf regenerative Energien. In welchen Fällen rentiert sich beispielsweise eine solare Heizungsunterstützung?

Jan Raatschen: Grundsätzlich ist es so, dass sich die solare Brauchwasserbereitung als „kleine Solaranlage“ bereits für Haushalte mit einem Warmwasserbedarf ab drei Personen lohnt. Die solare Heizungsunterstützung hingegen ist eher sinnvoll für Häuser mit einem niedrigeren Wärmebedarf. Dazu zählen Häuser mit einer geringeren Quadratmeterzahl oder einer sehr guten Dämmung – dann hat die Heizungsunterstützung einen großen Effekt. Bei einem großen oder schlecht gedämmten Haus ergibt sich hingegen das Problem, dass eine zu große Kollektorfläche auf das Dach angebracht werden müsste und damit auch ein großes Speichervolumen benötigt wird. Dieses ist nicht nur schwer unterzubringen, sondern auch teuer.

Für viele Hausbesitzer gehört eine Solaranlage schon fast zum Standard – kann man diese mit jedem Heizsystem kombinieren?

Jan Raatschen: Bis auf zwei kleine Ausnahmen kann eine Solaranlage mit jedem Heizsystem kombiniert werden. Bei einem Blockheizkraftwerk, also einem Mikro-BHKW oder einer Brennstoffzelle, die als Heizung Strom produziert, ist die Solaranlage unvorteilhaft. Hier ist es aus wirtschaftlicher Sicht sinnlos, da man zwei konkurrierende Systeme miteinander koppeln würde: Man versucht stets, dass die Stromproduktion Vorrang hat. Da sich das BHKW über die Laufzeit rentiert, muss es so lange laufen, wie es geht. Wenn eine Solaranlage im Sommer also viel Energie in das Haus transportiert, würde es immer zu Lasten des BHKWs gehen. Und in dem Fall hätte das BHKW wirtschaftlich gesehen Vorrang, weil Strom wertvoller ist. Zudem rentiert sich Solar ebenfalls nicht, wenn keine zentrale Warmwasserbereitung vorliegt. Bis auf diese kleinen Ausnahmen ist eine Solaranlage aber immer sinnvoll – schließlich ist es die einzige Form, durch die wir Energie geschenkt bekommen.

Welche Optionen bieten sich Kunden im Bereich der Heizungsunterstützung durch regenerative Energien noch?

Jan Raatschen: Eine Pelletheizung ist beispielsweise zu 100 Prozent regenerativ, da die Beheizung und Warmwasserbereitung mit einem Energieträger umgesetzt werden, der absolut nachwachsend und CO2 neutral ist. Auch eine Wärmepumpe hat einen regenerativen Anteil, da sie mindestens 75 Prozent der Wärmeenergie aus der Umwelt zieht. Diese beiden „Systeme“ zählen dementsprechend zu den regenerativsten Möglichkeiten. Ansonsten gibt es neuerdings Hybridheizungen: Das sind Heizungen, die auf Basis einer Brennwertheizung laufen, also Gas oder Öl, und mit einer Luftwärmepumpe kombiniert werden, die aus der Außenluft Wärme entnimmt. Diese Lösung eignet sich vor allem für Häuser, die sich durch ihre Ausstattung und Gegebenheiten nicht für eine Wärmepumpe eignen.

In was für Fällen eignet sich beispielsweise eine Pellet-Heizungen?

Jan Raatschen: Je höher meine Heizkosten, also je höher der Wärmebedarf meines Hauses, umso schneller rentiert sich eine Pelletheizung – um es kurz zusammenzufassen. Rentabel ist das Heizsystem bereits ab einem ganz normalen Einfamilienhaus mit einem Ölverbrauch von 2.000 bis 3.000 l Ölverbrauch im Jahr. Die Frage, die sich hier immer stellt: Wie viel möchte ich investieren? Zusätzlich spielen bei einer Pelletanlage häufig andere Faktoren eine entscheidende Rolle: Zum einen, dass die Anlage zu hundert Prozent regenerativ ist und zum anderen die Unabhängigkeit von Öl und Gas. Wenn ich mich nämlich von Gas abhängig mache, muss ich den Preis zahlen, der gerade von der Börse gehandelt wird. Beim Öl habe ich andererseits das Problem der deutlichen Preisschwankungen – ganz plötzlich kann der Preis dann sehr stark ansteigen. Deswegen ist eine Pelletanlage vor allem für die Kunden interessant, die sich bewusst gegen Öl und Gas entscheiden.

Steigt die Nachfrage nach Pelletheizungen aktuell?

Jan Raatschen: Die Nachfrage nach Pelletheizung geht ganz klar mit dem Ölpreis. Je höher der Ölpreis, desto stärker ist die Nachfrage nach Pelletanlagen. Das hat aber auch seinen Grund: Eine Pelletheizung ist perfekt geeignet, um eine Ölheizung zu ersetzen, weil man hier ebenfalls einen Tank benötigt. Der Kunde muss sich nicht umgewöhnen: Der Platzbedarf ist ein wenig geringer und man wird einmal jährlich mit einem LKW beliefert. Wenn man also keine Ölheizung besitzt, muss ein Tankraum geschaffen werden, was sich oft als schwierig beweist. Für solche Fälle gibt es dann aufwändigere Lösungen wie Erdtanks, die allerdings ungerne genutzt werden. Deswegen geht die Nachfrage 1:1 mit dem Ölpreis. Generell kann dazu noch gesagt werden, dass der Pelletpreis in den letzten 15 Jahren unglaublich konstant geblieben ist. Das ist oft ein Punkt, den unsere Kunden nachfragen.

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